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Andrea DSV2463
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Anmeldungsdatum: 07.12.2005
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BeitragVerfasst am: Mo Dez 01, 2014 6:16    Titel: Adventskalender 2014 Antworten mit Zitat
Guten Morgen Ihr Lieben!

Nachdem wir gestern schon die erste Kerze am Adventskranz anzünden konnten,
ist es heute mal wieder an der Zeit, die erste Tür am Adventskalender zu öffnen.

1. Dezember

Mia und der „kribbelige“ Adventskalender

„Auf Weihnachten warten ist doof“, stöhnt Mia.„Es kann auch spannend sein“, sagt Papa.
„Und wenn du den richtigen Adventskalender findest, hilft er dir ein bisschen beim Warten.“
„Wie finden wir den richtigen Kalender ?“, fragt Mia.
Papa klopft sich auf den Bauch. „Wenn es hier kribbelt, hast du ihn gefunden.“
Jetzt versteht Mia. Kribbeln muss es im Bauch. Alles klar.
„Komm!“, drängelt sie und zieht Papa ins Kaufhaus, wo ein Weihnachtsmann
am Eingang Prospekte verteilt.
„Wo gibt es Adventskalender?“, fragt Papa den Weihnachtsmann.
„Oben, 2. Etage, 5. Abteilung, 8. Gang rechts“, muffelt der Weihnachtsmann
und drückt Papa ein Reklameblatt in die Hand.
“Unsere Abteilung Lebensmittel hat Festtagslachs für Sie im Angebot“, sagt er.
„Für uns?“, staunt Mia, doch der Weihnachtsmann erzählt bereits
dem nächsten Kunden vom Sonderangebots-Festtagslachs im Erdgeschoß, 3. Gang links.
„Ich mag keinen Fisch“, murmelt Mia.
„Ob wir hier einen Kribbel-Adventskalender bekommen?“ „Bestimmt“, sagt Papa.
Und wirklich, da sind sie: Adventskalender, so viele, dass Mia nicht weiß,
wohin sie zuerst gucken soll.
„Der“, ruft sie und nimmt den Sternen-Kalender vom Regal. „Oder der?“
Sie deutet auf ein Kalenderhaus mit vierundzwanzig Fenstern.
„Da ist Schokolade drin“, erklärt die Verkäuferin stolz. „Ein Sonderangebot.“
„Nein danke“, sagt Mia. „Ich mag auch keinen Sonderangebotsfisch.“
„Wie bitte?“ Die Verkäuferin schüttelt den Kopf und zeigt einen Kalender,
der fast so groß ist wie Mia. „Dies ist unser reizendes Exklusivmodell“, erklärt sie
und drückt auf eines der bunten Kalendertürchen.
Ein Lämpchen blinkt auf und der Kalender fistelt: „Alle Kinder, groß und klein,
müssen jetzt geduldig sein. Weihnachten ist nicht mehr weit, Kinder, schnell vergeht die Zeit.“
„Wirklich reizend!“, spöttelt Papa. „Nicht wahr?“, ruft die Verkäuferin begeistert.
„Er kribbelt nicht!“, sagt Mia.„Wie bitte?“ Die Verkäuferin sieht Mia verständnislos an.
Mia klopft sich auf den Bauch. „Ein Kalender muss kribbeln.
„Also, ich weiß nicht...“ Die Verkäuferin ist verwirrt.„Wir finden bestimmt einen Kalender“,
tröstet Papa sie. „Zeigen Sie uns doch bitte ihre schönsten Exemplare!“
„Also, da hätten wir den abwaschbaren Goldkalender, die 24-Säckchen-Kette,
den reizenden Musikkalender mit netten Liedlein, den Gummibärchen-Weihnachtsbaum,
das 24-Türen-Christkindlein, ganz entzückende Bildchen verbergen sich hinter den niedlichen Türchen...“
Die Verkäuferin redet und redet. Mia aber mag diese Kalender nicht leiden.
Und warum redet die Verkäuferin so kindisch? „Die kribbeln alle nicht“, sagt Mia.
„Und wie sieht dein, äh, Kribbel-Kalender aus?“ fragt die Verkäuferin genervt.
Mia zuckt mit den Achseln. „Weiß nicht. Man spürt es eben.“
„Da musst du dich woanders umsehen“ sagt die Verkäuferin verärgert.
„Bei mir gibt es nichts zum Kribbeln.“ „Schade“, bedauert Mia
und Papa murmelt so etwas wie ‚Hätte-mich-auch-gewundert‘ vor sich hin.
Mia kichert, Papa grinst, dann machen sie sich schnell aus dem Staub.
Die Verkäuferin aber schießt böse Blicke hinter ihnen her.
Es wird ein lustiger Nachmittag. Papa und Mia bummeln durch viele Geschäfte,
lassen sich viele Adventskalender zeigen
und bringen viele Verkäufer zur Weißglut. Den richtigen Kalender aber finden sie nicht.
„Wenn wir so weitermachen“, meint Papa, „sind wir bald mit allen Verkäufern verkracht.“
Lachend ziehen sie weiter. Es ist trubelig geworden und alle haben es sehr eilig.
Nur am Marktplatz stehen Kinder. Sie singen Lieder
und halten Sammelbüchsen und Bilder von Kindern aus fremden Ländern in den Händen.
Nachdenklich blickt Mia auf die Gesichter der Kinder auf den Plakaten an.
Ernst blicken sie drein, arm und gar nicht weihnachtsfröhlichglitzerbunt.
Da fängt es in Mias Bauch an zu kribbeln.
„Eigentlich“, sagt sie und deutet auf die Kindergesichter, „brauche ich keinen Adventskalender.
Diese Kinder haben bestimmt auch keinen, oder?“ „Bestimmt nicht“, meint Papa.
„Und wenn wir ihnen das Geld für meinen Adventskalender geben würden?“, fragt Mia vorsichtig.
„Dann hast du aber keinen Kalender“, sagt Papa.
„Aber in meinem Bauch kribbelt es so schön.“
Papa lächelt. „In meinem auch“, sagt er und drückt Mia einen Geldschein in die Hand.
Den wirft Mia in die Sammelbüchse und sagt „Alles Gute!“ zu den Kindergesichtern auf den Plakaten.
Dann gehen Mia und Papa mit einem schönen Gefühl im Bauch nach Hause.
© Elke Bräunling

Ich bin mir sicher,
dass wir es hier in den nächsten Wochen auch wieder schaffen,
einen schönen, interessanten, bunt gemischten und vielleicht auch manchmal „kribbeligen“
Adventskalender zu erstellen,den man nirgendwo kaufen kann.
Ich hoffe, Ihr helft wieder alle eifrig mit, den Kalender zu füllen.

Hier noch ein paar lustige Gesellen, die mein Mann gestern auf dem Weihnachtsmarkt
in Münster fotografiert hat

Ich wünsche Euch allen einen schönen und nicht zu stressigen Adventstag
_________________
Liebe Grüße von Andrea mit

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BeitragVerfasst am: Mon 20 November 22:14 2017    Titel: Adventskalender 2014


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Anne DSV2252
Wellensittich Profi

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Anmeldungsdatum: 17.06.2006
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BeitragVerfasst am: Mo Dez 01, 2014 9:42    Titel: Antworten mit Zitat
Dankeschön liebe Andrea das du den Adventskalender eröffnet hast

Schöne Geschichte Smile
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Gruß Marianne
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Gitta
Wellensittich Profi

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Anmeldungsdatum: 28.06.2007
Beiträge: 3633

BeitragVerfasst am: Mo Dez 01, 2014 14:39    Titel: Antworten mit Zitat
auch von mir ein herzliches Dankeschön für die Eröffnung des Adventskalenders Smile
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Liebe Grüße,
Gitta




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temse DSV2410
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Anmeldungsdatum: 08.01.2006
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BeitragVerfasst am: Mo Dez 01, 2014 16:15    Titel: Antworten mit Zitat
Wie schön, der Forums-Adventskalender. Very Happy Vielen Dank für's Erstellen. Ich fürchte, ich werde wie in jedem Jahr furchtbar hinterherhinken mit den Beiträgen.

Für heute kann ich lediglich vermelden - wie üblich hatten wir heute am 1. Dezember wieder die Diskussion, dass man natürlich nicht heute gleich alle Türchen öffnen darf und die Schoki leerfuttern, sondern jeden Tag nur eines. Die Diskussion zog sich über ca. 4 Stunden. Laughing Laughing Laughing
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Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. Gandhi
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Claudia H.
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Anmeldungsdatum: 05.03.2010
Beiträge: 2844
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BeitragVerfasst am: Mo Dez 01, 2014 22:17    Titel: Antworten mit Zitat
Liebe Andrea,

vielen Dank fürs Einstellen des Adventskalenders 2014. Ich hoffe, ich kann auch etwas dazu beitragen, die erste Geschichte von dir ist schon einmal sehr schön.

Liebe Heike,

da passt dein heutiges Erlebnis ja irgendwie gut zur ersten Geschichte. Very Happy Immerhin hattet ihr vier Stunden Beschäftigung, Kino oder so wäre teurer. Laughing

Ich freue mich schon auf die Beiträge hier in den kommenden Tagen. Ich hatte mich schon gefragt, ob es auch dieses Jahr wohl wieder zu diesem Thread kommen würde. Smile

Viele Grüße
Claudia mit Sunny und Charly
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Andrea DSV2463
Wellensittich Profi

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Anmeldungsdatum: 07.12.2005
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BeitragVerfasst am: Di Dez 02, 2014 7:46    Titel: Antworten mit Zitat
Danke für Eure Feedbacks
... und liebe Heike, es kann jeden Tag nur besser werden Laughing
_________________
Liebe Grüße von Andrea mit

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Andrea DSV2463
Wellensittich Profi

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Anmeldungsdatum: 07.12.2005
Beiträge: 21154

BeitragVerfasst am: Di Dez 02, 2014 7:50    Titel: Antworten mit Zitat
Guten Morgen Ihr Lieben
am 2. Dezember


Linie 13 in Köln. Montagmorgen, 08:07 Uhr

"Fahrscheine bitte!" Neben mir sitzt eine alte kleine Dame - bestimmt schon über 80 Jahre.
Und während ich in meiner Tasche nach meinem Ticket krame, sitzt sie regungslos da.

"Werte Frau, ihren Fahrschein bitte!" Die alte Dame schaut den Kontrolleur an. Sie lächelt.
"Ich habe keinen. Ich fahre gerade zu meinen beiden Engelchen nach Mülheim.
Schauen sie, ich könnte ihnen jetzt sagen, dass der Fahrscheinautomat viel zu kompliziert ist.
Oder vorgeben, ich sei verwirrt. Oder einfach sagen, ich leide an Demenz.
Wahrscheinlich würden sie mir glauben. Die Wahrheit ist aber, dass wir Ende des Monats haben.
Das Geld hat schlicht nicht ausgereicht für ein Ticket. Da ich die Kleinen aber unbedingt sehen wollte,
bin ich das Risiko eingegangen“
Der Kontrolleur ist sichtlich überrascht, ihm fehlen die Worte.

„Mir ging es in meinem Leben schon weitaus schlechter“, führte die Dame fort,
„aber gelogen habe ich nie. Junger Mann, schreiben sie mich ruhig auf“.
Sie hält ihm ihren Personalausweis hin.
Der Kontrolleur schaut jedoch nicht auf den Ausweis. Er blickt der Dame in die Augen,
holt tief Luft und dreht sich um. Er geht zum Ticketautomat und öffnet seinen eigenen
Geldbeutel. Nach ein paar Sekunden kommt er wieder zurück.
„Ich habe ihnen ein Ticket gekauft- es gilt für 4 Fahrten.
Damit können sie ihre Enkel diese Woche zweimal sehen“

Ich finde es einfach herrlich,
dass die entwaffnende Ehrlichkeit dieser älteren Dame
den Kontrolleur ein bisschen aus seiner Welt der Ordnung und Bürokratie heraus holt
und zur Mitmenschlichkeit verführt
Smile Smile
Ich wünsche Euch allen einen schönen Adventstag


_________________
Liebe Grüße von Andrea mit

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Anne DSV2252
Wellensittich Profi

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Anmeldungsdatum: 17.06.2006
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BeitragVerfasst am: Di Dez 02, 2014 9:16    Titel: Antworten mit Zitat
Was für eine Geschichte - ich habe richtig Pipi in den Augen.

Danke Andrea dafür!
_________________
Gruß Marianne
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Gitta
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Anmeldungsdatum: 28.06.2007
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BeitragVerfasst am: Di Dez 02, 2014 15:14    Titel: Antworten mit Zitat
Liebe Andrea,
ein dickes Dankeschön für die tolle Geschichte Smile
_________________
Liebe Grüße,
Gitta




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Gitta
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Anmeldungsdatum: 28.06.2007
Beiträge: 3633

BeitragVerfasst am: Mi Dez 03, 2014 9:45    Titel: Antworten mit Zitat
Guten Morgen Ihr Lieben,
heute öffne ich das 3. Türchen für Euch Smile

Der glückliche kleine Vogel
Der glückliche kleine Vogel Zizibä saß in einem kahlen Fliederbusch und fror. Zizibä war ein kleiner Vogel. Er hatte sein Federkleid dick aufgeplustert, weil's dann ein wenig wärmer war.

Da saß er wie ein dicker runder Ball, und keiner ahnte, wie dünn sein Körper drunter aussah. Zizibä hatte die Augen zu. Er mochte schon gar nicht mehr hinsehen, wie die Schneeflocken endlos vom Himmel herunterfielen und alles zudeckten. Alle Futterplätze waren zugeschneit. Ach, und Hunger tat so weh. Zwei Freunde von Zizibä waren schon gestorben.

Stellt euch mal vor, ihr müsstet in einem kahlen Strauch sitzen, ganz allein im Schnee, und hättet nichts zu essen. Kein Frühstück, kein Mittagessen - und abends müsstet ihr hungrig einschlafen, ganz allein draußen im leeren Fliederbusch, wo's dunkel ist und kalt. Das wäre doch schlimm. Zizibä musste das alles erleiden. Er saß da und rührte sich nicht. Nur manchmal schüttelte er den Schnee aus den Federn. Wieder ging ein hungriger Tag zu Ende.

Zizibä wollte einschlafen. Er hörte plötzlich ein liebliches Geklingel. Dann wurde es hell und warm, und Zizibä dachte: Oh, das ist gewiß der Frühling. Aber es war der Weihnachtsengel. Er kam daher mit einem Schlitten voller Weihnachtspakete.

Er sang vergnügt. "Morgen, Kinder, wird's was geben..." und leuchtete mit seinem Laternchen den Weg. Da entdeckte er auch unseren Zizibä. "Guten Abend", sagte der Engel, "warum bist du so traurig?" - "Ich hab' so Hunger", piepste Zizibä und machte vor Kummer wieder die Augen zu. - "Du armer Kleiner", sagte der Engel, "ich habe auch nichts zu essen dabei. Woher kriegen wir nur was für dich?" Aber das war's ja, was Zizibä auch nicht wusste. Doch dann hatte der Engel eine himmlische Idee. "Warte", sagte er, "ich werde dir helfen. Bis morgen ist alles gut. Schlaf nur ganz ruhig."

Aber Zizibä war schon eingeschlafen und merkte gar nicht, wie der Engel weiterzog und im nächsten Haus verschwand. Im nächsten Haus wohnte Franzel. Das war ein netter, kleiner Bub. Jetzt lag er im Bett und schlief und träumte von Weihnachten. Der Engel schwebte leise herzu, wie eben Engel schweben, und beugte sich über ihn. Leise, leise flüsterte er ihm etwas ins Ohr, und was Engel sprechen, das geht gleich ins Herz. Der Franzel verstand auch sofort, um was sich's handelt, obwohl er fest schlief.

Als er am nächsten Morgen wach wurde, rieb er sich die Augen und guckte zum Fenster hinaus. "Ei, so viel Schnee", rief er, sprang aus dem Bett, riß das Fenster auf und fuhr mit beiden Händen in den Schnee. Dann machte er einen Schneeball und warf ihn aus Übermut hoch in die Luft. Plötzlich hielt er inne. Wie war das doch heute Nacht? Hatte er nicht irgend etwas versprochen? Richtig, da fiel's ihm ein. Er sollte dem Zizibä Futter besorgen.

Der Franzel fegte den Schnee vom Fensterbrett und rannte zur Mutter in die Küche. "Guten Morgen, ich will den Zizibä füttern, ich brauch' Kuchen und Wurst!" rief er. - "Das ist aber nett, daß du daran denkst", sagte die Mutter, "aber Kuchen und Wurst taugen nicht als Futter. Der Kuchen weicht auf, und die Wurst ist viel zu salzig. Da wird der arme Zizibä statt an Hunger an Bauchschmerzen sterben."

Die Mutter ging und holte eine Tüte Sonnenblumenkerne. "Die sind viel besser", sagte sie. Der Franzel streute die Kerne auf's Fensterbrett und rief: "Guten Appetit, Zizibä!" Dann musste er sausen, um noch rechtzeitig zur Schule zu kommen.

Als die Schule aus war, kam er auf dem Nachhauseweg beim Samenhändler Korn vorbei. Der Franzel ging in den Laden und sagte: "Ich hätte gern Futter für die Vögel im Garten." Er legte sein ganzes Taschengeld auf den Tisch. Dafür bekam er eine große Tüte voll Samen und Meisenringe. Nun rannte er nach Hause zu seinem Fensterbrett. Aber - o weh - da war alles zugeschneit.

Doch die Körner waren verschwunden. Die hatte Zizibä noch rechtzeitig entdeckt. Er hatte seine Vettern und Kusinen herbeigeholt, und sie hatten sich einen guten Tag gemacht, während der Franzel in der Schule war. Es darf nicht wieder alles zuschneien, dachte der Franzel, und als sein Vater am Nachmittag heimkam, machten sie sich gleich daran und zimmerten ein wunderschönes Futterhaus. Das hängten sie vor dem Fenster auf.

Am nächsten Tag sprach sich's bei der ganzen Vogelgesellschaft herum, daß es beim Franzel etwas Gutes zu essen gab. Das war eine große Freude, denn kein Vogel brauchte mehr vor Hunger zu sterben, und abends, wenn der Engel vorbeikam, sah er nur satte und zufriedene Vögel friedlich schlummern.

Dafür legte er dem Franzel noch ein Extra-Geschenk unter den Weihnachtsbaum, und es wurde ein wunderschönes Fest.

Autor: unbekannt





ich wünsche Euch einen schönen Tag
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Liebe Grüße,
Gitta




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Anne DSV2252
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Anmeldungsdatum: 17.06.2006
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BeitragVerfasst am: Mi Dez 03, 2014 10:26    Titel: Antworten mit Zitat
Danke Gitta für die schöne Geschichte vom Zizibä
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Andrea DSV2463
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Anmeldungsdatum: 07.12.2005
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BeitragVerfasst am: Mi Dez 03, 2014 12:48    Titel: Antworten mit Zitat
Danke auch von mir für die schöne Geschichte,
liebe Gitta! Smile
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Liebe Grüße von Andrea mit

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Claudia H.
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Anmeldungsdatum: 05.03.2010
Beiträge: 2844
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BeitragVerfasst am: Mi Dez 03, 2014 19:39    Titel: Antworten mit Zitat
Auch von mir ein dickes Dankeschön für die rührende Geschichte. Wink

Es ist einfach schön, wenn man von der Arbeit nach Hause kommt, dann mit einer Tasse Kaffee die Beiträge und Geschichten liest. Da ist man dann gleich ein wenig entspannter. Wink

Viele liebe Grüße
Claudia
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Andrea DSV2463
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Anmeldungsdatum: 07.12.2005
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BeitragVerfasst am: Do Dez 04, 2014 6:38    Titel: Antworten mit Zitat
Guten Morgen Ihr Lieben

4. Dezember


Das Gesicht im Spiegel

Es war zur Zeit des Advents, ich entsinne mich gut:
die Geschäftsviertel der Stadt schimmerten im Glanz der Rauschgoldengel und grünen Girlanden.
Da geschah um Mitternacht ein seltsamer Alarm für die Polizei.
Es hieß, in den Räumen eines Spielwarenhauses brenne Licht, es ginge offenbar nicht mit rechten Dingen zu.
Als die Beamten anrückten bot sich ihnen ein verwirrendes Bild;
Über den Boden kroch ein Kind von etwa 7 Jahren.
Der Junge spielte mit der Eisenbahn, dann mit dem Schaukelpferd und mit den Bären und Löwen aus Plüsch.
Er spielte in aller Ruhe, denn Frieden war um ihn.
Wie hieß der Junge? Wo kam er her? Ein kleines Rätsel!
Die Polizei legte sich auf die Lauer,sachte und unsichtbar.
Nein, der Junge hatte keine Mitspieler oder was man in derlei Fällen „Gehilfen“ nannte.
Aber er hatte sich, das stand fest, tagsüber versteckt gehalten und abends einschließen lassen,
um einmal der für ihn oder seine Eltern unerreichbaren Dinge teilhaftig zu werden.
Man sah doch, sein Haar war struppig, die Hose trug Flicken.
Man unterließ es , den kuriosen Täter zu stören und eigentlich wussten die Alarmierten kaum,
warum sie so handelten. Vielleicht war man neugierig, wie sich der Knirps gegen Morgen hin betragen würde.
Womöglich hatte man auch ein Herz, den armen Genießer nicht vor der Zeit trennen zu wollen
von den herrlichen Dingen.

Da geschah dann etwas, was dem Traum des Kindes leider seinen heimlichen Zauber nahm:
Man sah, wie der Junge eine kleine Puppe einsteckte. Er knuddelte sie regelrecht in die
Hosentasche, um das Spielzeug mitzunehmen. War es sich des unredlichen Handelns bewusst?
Noch zweifelte man und hielt den Atem fest vor der Merkwürdigkeit des Vorgangs.
Nunmehr schlich der Junge davon, auf Zehenspitzen, tappte so behutsam, als dürfe er niemanden wecken.
Er ging auf die Hintertür zu, die Beamten behielten ihn im Auge.
Abermals geschah etwas Eigenartiges. Der Junge lief, ohne es vorher bemerkt zu haben,
einem Spiegel entgegen. Ja, einem hohen und breiten Spiegel,
in dem er sich plötzlich betrachten musste.
Da zuckte er, seine Knie wankten, der Blick wurde groß und ängstlich.
Bald 2 Minuten staunte der Troll sich an. Dann schloss er die Augen, griff in die Tasche,
holte die zerknüllte Puppe hervor und brachte sie rasch, ja stürzend dorthin, wo er sie fortgenommen hatte.
Und das eben noch verwirrte Gesicht nahm wieder die Ruhe des Friedens an.

In diesem Augenblick kamen die Beamten aus ihrem Versteck hervor
und führten den zu Tode erschrockenen Knaben zur Wache.
Es stimmte, der Junge hatte sich einschließen lassen.
Ob die Mutter, eine einsame Witwe, ihn strafte, das wissen wir nicht.
Wir wissen nur, dass der Inhaber des Spielwarenhauses auf jede Sühne verzichtete
und dass er dem Knaben zur kommenden Weihnacht etwas schenkte.
Zwar nicht die Puppe, vielmehr etwas fürs Leben: einen großen Spiegel

Nach Heinz Steguweit

Ich wünsche Euch einen schönen Adventstag

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Gitta
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Anmeldungsdatum: 28.06.2007
Beiträge: 3633

BeitragVerfasst am: Do Dez 04, 2014 15:10    Titel: Antworten mit Zitat
Dankeschön liebe Andrea, für die schöne Geschichte.
Es ist immer gut, wenn man seinem Spiegelbild offen gegenüber treten kann.
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Liebe Grüße,
Gitta




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Anne DSV2252
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Anmeldungsdatum: 17.06.2006
Beiträge: 7764
Wohnort: Osterholz Scharmbeck

BeitragVerfasst am: Do Dez 04, 2014 21:03    Titel: Antworten mit Zitat
Dankeschön für die Geschichte
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Gruß Marianne
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Gitta
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Anmeldungsdatum: 28.06.2007
Beiträge: 3633

BeitragVerfasst am: Fr Dez 05, 2014 8:46    Titel: Antworten mit Zitat
Guten Morgen Ihr Lieben,

da Andrea an diesem Wochenende nicht da ist, habe ich beschlossen, hier eine gaaaaaaaaanz lange Geschichte in 3 Teilen einzusetzen Smile
somit wäre Andreas Abwesenheit abgedeckt Laughing

Die zweite Chance
Die Stadt lag unter einer weißen Puderschneedecke, auf der sich das Licht der unzähligen Weihnachtsbeleuchtungen tausendfach widerspiegelte und sie wie einen Diamanten funkeln ließ. Es war der Weihnachtsabend. Schnee rieselte in dicken Flocken wie in einem Weihnachtsmärchen sanft vom Himmel herab und ließ die Herzen der Menschen höher schlagen. Naja, vielleicht nicht aller Menschen.
„Das wird einen schönen Stau geben“, murmelte Tim, der aus seinem Luxuspenthouse hoch über den Dächern der Stadt dem Schneetreiben missmutig zusah. Mit seinen vierzig Jahren war er am Zenit seiner Karriere angekommen. Als Geschäftsführer einer renommierten Firma für modernste Computertechnologie verdiente er mehr, als er es sich je erträumt hatte, besaß diverse Immobilien, Sportwagen und ein sattes Aktienpaket. Er galt als nüchtern, pragmatisch, durchsetzungsstark und emotionslos. Seine Gegner fürchteten ihn, und seine Angestellten sahen in ihm das Musterbeispiel eines Karrieremannes, der sein Leben ausschließlich der Arbeit gewidmet hatte. Böse Zungen behaupteten, er würde sogar am Weihnachtsabend lieber den Quartalsbericht lesen, anstatt das Fest zu begehen. Sie ahnten nicht, wie Recht sie damit hatten.
Mit einem Ruck zog Tim den Knoten seiner handgefertigten Seidenkrawatte zurecht und betrachtete sein Ebenbild in der Panoramascheibe, hinter der die gigantische Dachterrasse lag. Zufrieden, mit dem was er sah, nickte er. Das dunkle Haar lag perfekt gestylt, die Krawatte, die vorbildlich gebunden war, bildete einen eleganten Kontrast zu dem blütenweißen Hemd, und der zweitausend Euro teure Anzug saß so, wie man es von einem Anzug dieser Preiskategorie erwarten konnte.
Sein Blick fiel auf den von einem namhaften Designer handgearbeiteten, riesigen Wohnzimmertisch. Ein paar Wirtschaftszeitschriften, der letzte Quartalsbericht ein gußeiserner Aschenbecher aus dem siebzehnten Jahrhundert, ein Glas Wasser, ein Edelhandy der neuesten Generation sowie ein Briefumschlag eines auf Luxusreisen spezialisierten Reisebüros leisteten sich auf der großen Fläche Gesellschaft. Tim ging zum Tisch hinüber, nahm den Briefumschlag hoch und steckte ihn in die Innentasche seines taubenblauen Anzugs.
Die Fidschis zu Weihnachten.
Was wollte man mehr?
Innerlich bemitleidete er all die Menschen, die sich in diesem Moment mit Weihnachtsvorbereitungen abplagten, Geschenke verpackten, nadelnde Bäume schmückten oder gerade feststellten, dass echte Kerzen und trockene Bäume nicht gerade die ideale Kombination bildeten, quengelnde Kinder beruhigten und das Essen für eine ganze Kompanie von streitsüchtigen Familienmitgliedern vorbereiteten.
Streß in höchster Potenz!
Sollten sie sich doch alle der Illusion eines gelungenen Abends hingeben. Er würde dann schon längst hoch über all den Illusionisten einem entspannenden Urlaub entgegen schweben. Natürlich erster Klasse. Ein Blick auf seine sündhaft teure Armbanduhr bestätigte ihm, dass es an der Zeit war, die letzten Vorbereitungen zu treffen. Mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht begab er sich in das Ankleidezimmer hinüber, um die letzten Sachen einzupacken.
Konnte das Leben besser sein?

Hoch über den Lichtern der Stadt flog derweil ein ungewöhnliches Reisegefährt durch die Nacht. Gezogen von sechs Rentieren glitt der Schlitten des Weihnachtsmannes über die mit Schnee beladenen Wolken dahin, als würde er über festen Boden fahren. Neben dem Weihnachtsmann saß mit hoch konzentriertem Gesichtsausdruck Ruphus, der Elf, die Zügel fest in der Hand.
„Ich verstehe immer noch nicht, was Ihr bei diesem Mann wollt?“, grummelte Ruphus leicht verstimmt; denn der Weihnachtsmann weihte den Elfen nicht immer in all seine Pläne ein. „Die Versöhnung dieses obdachlosen Gitarrenspielers mit seiner Familie hat mir ja eingeleuchtet, aber das hier geht über meinen Horizont. Der Typ steht noch nicht einmal auf der Liste. Und wenn ihr mir die Kritik gestatten wollt, nach dem, was ich zwischenzeitlich von der Zentrale über ihn erfahren habe, hat er auch noch nie drauf gestanden. Der hat doch mit Weihnachten weniger zu tun, als der Osterhase.“
„Er ist vom rechten Weg abgekommen“, brummte der Weihnachtsmann, als sei das Erklärung genug.
„Und ist dabei in einem dreihundert Quadratmeter großen Penthouse gelandet! Das ist wirklich tragisch.“
„Geld ist nicht immer das, was die Menschen wirklich glücklich macht. Mitunter ist es nur ein Ersatz, der sie davon ablenkt, was sie wirklich wollen.“
Ruphus seufzte, während er den Schlitten durch das dichte Schneetreiben um einen hoch aufragenden Fernsehturm herum lenkte. Mit dem Weihnachtsmann zu diskutieren, machte keinen Sinn. Man konnte nur verlieren. Vor ihnen erhob sich nun die Shioulette eines Luxushochhauses, auf dessen Spitze ein Penthouse der obersten Kategorie thronte. Der Dachgarten allein war groß genug, um dort ein Tennisturnier austragen zu lassen. „Wenn du so nett wärst“, sagte der Weihnachtsmann, wobei er auf die Dachterrasse wies. „Landeerlaubnis erteilt.“
Mit einem satten Knirschen glitt der Schlitten über die schneebedeckte Dachterrasse und kam vor einem japanischen Gartenteich zum Stehen. Eine anmutige Brücke überspannte den gut und gern fünfzig Quadratmeter großen Teich. Mit einem Ächzen glitt der Weihnachtsmann vom Schlitten herunter und sah sich um. Die Terrasse war von zwei Seiten von dem Penthouse umschlossen, so dass man von mehreren Zimmern auf die Terrasse gelangen konnte. Die eine Seite bildete dabei im Wesentlichen eine komplett verglaste Fassadenfront. Der dahinter liegende, riesige Raum war dezent beleuchtet. Das Gesicht des Weihnachtsmanns verzog sich, als er feststellte, dass keinerlei weihnachtliche Dekoration vorhanden war.
„Wahrlich, ein armer Tropf“, spottete Ruphus beim Anblick des puren Luxus. „Was hat er sich denn gewünscht? Einen goldenen Fußboden?“
Der Weihnachtsmann überhörte den Spott und begab sich zur Glasfassade hinüber. Wie sollte er dort hineinkommen?
„Panzerglas, zehnfach Verriegelung, mit Holz verkleidete Stahlträger sowie Berührungsensoren mit Videoüberwachung“, resümierte Ruphus, der spöttisch seine Nägel betrachtete.
„Ruphus!“
„Schon gut.“
Gelangweilt schnippte der Elf mit den Fingern, worauf die große Wohnzimmertür wie von Zauberhand aufglitt. Leise Jazzmusik wehte auf die Terrasse hinaus.
„Na dann wollen wir mal“, brummte der Weihnachtsmann.

Mit beiden Daumen zugleich drückte Tim die Riegel des edlen Lederkoffers ins Schloß. Das Ganze glich einem Ritual, das er an jedem Weihnachtsabend zelebrierte, um dieser künstlich sentimentalen Zeit zu entfliehen. Zufrieden mit sich selbst, nahm er den Koffer hoch und begab sich ins Wohnzimmer hinüber. Kaum hatte er dies betreten, blieb er jedoch abrupt stehen, als sei er gegen einen Bus gerannt. Mitten auf seinem Designersofa lümmelte sich ein Kind mit spitzen Ohren, während ein als Weihnachtsmann verkleideter, übergewichtiger Erwachsener interessiert sein vierhundert Liter fassendes Süßwasseraquarim betrachtete. Als Tim jedoch gewahr wurde, was erst auf seiner Terrasse los war, glitt ihm der Koffer aus den Fingern und landete mit einem dumpfen Poltern auf dem Travertinmarmorfußboden. Ein riesiger Schlitten mit einem Gespann aus sechs Rentieren stand vor seinem Gartenteich. Eines der Rentiere, mit einer verdächtig roten Nase, starrte neugierig in seine Richtung.
„Wie..., was...“, schnappte Tim, dem vor Erstaunen und Verärgerung die Worte fehlten.
„Fröhliche Weihnachten, Tim“, sagte der Weihnachtsmann.
„Ich ..... rufe die Polizei“, erwiderte Tim, der seine Fassung nur mühsam zurückgewann. „Ich glaube kaum, dass Ihr Weihnachten sehr fröhlich ausfallen wird. Hausfriedensbruch ist in diesem Staat strafbar.“ Mit ausgreifenden Schritten ging er zum Tisch hinüber, den Blick fest auf das Handy gerichtet. Aber bevor er in die Reichweite des Telefons gelangen konnte, fand er sich plötzlich in seinem Sessel sitzend wieder, unfähig, ein Glied zu rühren. Selbst seine Stimme war eingefroren.
„Danke, Ruphus“, sagte der Weihnachtsmann. „Schön, dass du uns deine Aufmerksamkeit schenkst“, wandte er sich an den wutschnaubenden Tim. „Es fällt uns zwar selbst schwer, das zu glauben, aber wir sind hier, um dir einen Wunsch zu erfüllen.“
Tim schnaubte verächtlich, worauf der Weihnachtsmann ihn tadelnd ansah.
„Manchmal weiß man nicht mehr, was man sich wirklich wünscht. Menschen wie du, die für die Karriere leben, verlieren den Blick für das Wesentliche.“ Der Weihnachtsmann machte eine Handbewegung, die den gesamten Wohnraum umfasste. „Sie umgeben sich mit Statussymbolen und täuschen sich selbst über die innere Leere hinweg, die sie empfinden.“
Tim verdrehte die Augen.
„Deshalb wirst du uns heute Abend begleiten; denn wir haben dir etwas Wichtiges zu zeigen.“
„Hmmmm, hmm, hmmm!“ protestierte Tim energisch, der nun ernsthaft befürchtete, dass er sich von den Fidschis verabschieden konnte. Vergeblich versuchte er, sich von den unsichtbaren Fesseln zu befreien. Auf einen Wink des Weihnachtsmanns klatschte Ruphus daraufhin in die Hände, und Tim hatte zumindest seine Stimme wieder.
„Ich denke nicht daran, euren Quatsch mitzumachen, es sei denn, ihr fliegt mich auf die Fidschis, und zwar erster Klasse!“, schimpfte er.
„Du wirst keine Zeit verlieren und deinen Flug rechtzeitig erreichen; wenn du das dann noch willst.“
Tim stöhnte. Sollte er auf diesen Quatsch wirklich antworten. Dabei fiel sein Blick auf das Aquarium. Verblüfft stellte er fest, dass die Fische wie in Wachs gegossen im Aquarium auf der Stelle standen. Selbst die Bläschen aus der Sauerstoffpumpe hatten auf dem Weg an die Oberfläche eine Pause eingelegt und bildeten nun eine glitzernde Kette. „Das gibt’s doch nicht“, entfuhr es Tim ungläubig. Verunsichert begegnete sein Blick dem von Ruphus, der über das ganze Gesicht grinste und erneut in die Hände klatschte. „Sieh mal auf deine Armbanduhr“, empfahl er Tim, der erfreut feststellte, dass er sich wieder bewegen konnte. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, als er dem Rat folgte. Seine Uhr im Wert eines unteren Mittelklassewagens, die laut Zertifikat lebenslang keine Sekunde verlieren sollte, war stehengeblieben. Irritiert schüttelte Tim sein Handgelenk und legte die Uhr an sein linkes Ohr. Deutlich vernahm er das leise Ticken des Schweizer Präzisionsuhrwerks. Trotzdem bewegte sich der Sekundenzeiger keinen Millimeter weiter. Allmählich wurde Tim mulmig zumute.
„Zeit ist relativ, falls du davon schon einmal gehört hast“, bemerkte Ruphus mit altkluger Stimme.
„Aus welchem Universum kommt ihr?“, ächzte Tim.
„Vom Nordpol“, brummte der Weihnachtsmann vergnügt. „Aber keine Sorge, dahin wollten wir dich nicht einladen. Wir wollten dir nur etwas zeigen, das dich interessieren dürfte.“
„Die Aktienkurse des Dax am kommenden Weihnachten?“
„Wart es einfach ab, Tim. Aber eines kann ich dir versprechen. Du wirst keine einzige Minute verlieren, sondern stattdessen eine Chance erhalten, die du nicht in Geld bezahlen kannst.“
„Nicht in Geld bezahlen“, wiederholte Tim nachdenklich. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatten die beiden ihn wirklich neugierig gemacht. Zwar fiel es ihm schwer, an den Weihnachtsmann zu glauben, selbst unter Einbezug der seltsamen Begleitumstände und der Rentiere nebst Schlitten auf seiner Terrasse. Auf der anderen Seite war die Situation alles andere als normal. Der Weihnachtsmann – Tim beschloss, ihn bis zum Beweis des Gegenteils erst einmal so zu nennen – und dieser Winzling verfügten definitiv über eine beeindruckende Technik, aus der sich möglicherweise Kapital schlagen ließ. Irgendwie musste der Schlitten ja schließlich auf seine Terrasse gekommen sein. Und dann gab es da ja auch noch die Tricks mit der Zeit. Sollte er sich auf die Sache einlassen? Was konnte er verlieren? Wenn es stimmte, was der Weihnachtsmann sagte, konnte er nur etwas gewinnen, und Gewinn klang in allen Sprachen wie Musik in seinen Ohren. Er traf eine Entscheidung.
„Na schön, aber wenn ich wegen euch meinen Flieger verpasse, könnt ihr was erleben. Also, wie geht’s weiter?“
Statt einer Antwort zu geben, wies Ruphus mit dem Daumen nach draußen. „Bitte begeben Sie sich zum Einchecken, und halten Sie Ihre Bordkarte bereit“, antwortete der Elf mit einem Grinsen.




Ich wünsche Euch einen schönen Tag
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Liebe Grüße,
Gitta




Wenn Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen, werden Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken!!!!
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Anne DSV2252
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BeitragVerfasst am: Fr Dez 05, 2014 11:07    Titel: Antworten mit Zitat
Danke Gitta für die Geschichte. Dir auch noch einen schönen Tag.
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Gruß Marianne
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Kero
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BeitragVerfasst am: Fr Dez 05, 2014 14:03    Titel: Antworten mit Zitat
Das in 3 Teile aufzuteilen ist diabolisch. Wie geht es weiter *zappel*
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"Niemand macht einen größeren Fehler als derjenige, der nichts tut, weil er glaubt, nur wenig tun zu können!"
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Turbo
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BeitragVerfasst am: Sa Dez 06, 2014 8:03    Titel: Antworten mit Zitat
Ich glaub`es nicht, oh nein,
das kann doch gar nicht sein.
Ich glaub´ ich hab´s verpennt,
s`ist ja schon wieder Advent.
Das Jahr über wollt`ich dichten,
suchen nach schönen Geschichten.
Nicht davob hab´ich getan,
ach ich armer Mann. Crying or Very sad
Smile
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